Hallo Deutschland!

Es ist fünf vor zwölf und langsam werden auch die Letzten wach. Denn seit den Dialogveranstaltungen der Fa. Tennet ist klar, keine Gemeinde, keine Stadt ist sicher vor dem Planungsirrsinn der SuedLink-Trasse mitten durch Deutschland, der sich immer konkreter offenbart. Haben sich die bisher betroffenen Regionen, Dörfer und Städte im Kampf gegen die Monstermasten von Politik („Wir brauchen, der Energiewende geschuldet,  den schnellstmöglichen Netzausbau“) und auch von den Nachbargemeinden („Wir sind Gott sei Dank nicht betroffen“) allein gelassen gefühlt, wird jetzt deutlich wie wichtig in diesem Projekt SuedLink die Solidarität aller ist.

An der Reaktion vieler Bürgermeister auf die Vorstellung der neuen Trassenpläne ist erkennbar, es wurde sich nicht mit dem Thema befasst und so mancher ist überrascht, erst so kurz vor den Antragskonferenzen informiert zu werden. Nun, wir von KIEBITZGRUNDaktiv kennen dieses Gefühl nur zu gut. Doch noch ist es nicht zu spät sich in den Widerstand einzureihen.

TenneT hat eine repräsentative Meinungsumfrage im September durchgeführt und für Hessen angeblich eine Zustimmung zu SuedLink von  73% erreicht. Interessant.

Ein kurzer Blick auf die Fragestellung zeigt warum: Der Bau der geplanten Stromverbindung SuedLink ist notwendig und erforderlich. Ja oder nein? 73% Ja-Stimmen in Hessen. Aber nur 35% der Bevölkerung haben von SuedLink gehört oder gelesen. Jetzt stellt sich noch die Frage, wieviel von den 35% müssen mit einer Stromtrasse vor der eigenen Haustür leben? Und schon erhält die Meinungsumfrage einen ganz anderen Stellenwert.

Als repräsentative Umfrage kann man aber zweifelsohne  Folgendes bezeichnen: Schlotzau, eine kleine Ortschaft in der Gemeinde Burghaun, ca. 340 Einwohner, davon ca. 260 Wahlberechtigte. Direkt betroffen von der bisher bevorzugten SuedLink-Trassenführung. Nein zu SuedLink sagen 88% und unterzeichneten eine Unterschriftenliste, die dem Netzbetreiber TenneT bereits übergeben wurde. Die restlichen 12% waren leider nicht erreichbar und konnten so ihre Meinung nicht kundtun. Allerdings kann man von einem realistischen Wert von 95% ablehnender Stimmen ausgehen.

Und warum ist der Bau einer 500 kV HGÜ-Stromleitung notwendig?  Mit dem geplanten Abschalten des letzten Atomkraftwerkes in Bayern im Jahr 2022, muss der Strom von den Windparks im Norden in den Süden transportiert werden. Das haben wir inzwischen oft genug gehört, aber stimmt diese Aussage auch? Denn Bayern will eigene Wege gehen und den Netzausbau noch einmal hinterfragen. Der Widerstand in der Bevölkerung ist dermaßen groß, dass Ministerpräsident Horst Seehofer jetzt die Notbremse ziehen will. Seit Monaten demonstrieren die Menschen in Bayern lautstark und beharrlich  gegen den geplanten Bau der verschiedensten Trassen und verweisen in ihrem Protest auch auf die sogenannte „Power to Gas“ Lösung. Der Gedankenansatz: Warum wird der Strom in Norddeutschland nicht in Gas umgewandelt und dann, durch das bestehende Gasnetz, einem Speicher gleich, nach Süddeutschland gebracht um dort in entsprechenden Kraftwerken in Strom umgewandelt zu werden. Ist die Technik schon so weit, dass dies funktionieren könnte?

Nun, die Welt dreht sich schneller und mit ihr auch der Fortschritt. Vor zehn Jahren konnte niemand ahnen, wie schnell sich das Medium Internet entwickeln würde. Dass es nun keine Glühbirnen, dafür aber neue Energiesparlampen gibt. Dass die Kinder bereits mit einem Computer umgehen können bevor sie in die Schule gehen und dass ein Handy für jedermann zum Standard der Kommunikation gehört. Alternative Technik darf nicht wegen der Lobbyisten in Berlin  vernachlässigt werden.

Prof. Dr. Lorenz  Jarass von der Hochschule RheinMain in Wiesbaden, mahnte schon 2013 im Deutschen Bundestag vor einem überdimensionierten Netzausbau. Es wird deutlich, dass es viele Interessenten gibt, die sich hier ein großartiges Geschäft erhoffen. Oder warum steigt ein Konzern wie Mitsubishi als Investor bei TenneT ein? Was hat die Kohlelobby mit dem Netzausbau zu tun?

Niemand kann sich mit dieser Trasse anfreunden, einem Milliarden Pilotprojekt mit  Gesundheitsrisiko, Elektrosmog, Naturzerstörung und Naturverschandelung. Und dann erzählt man uns vorsorglich auch nur die halbe Wahrheit, warum? Dies gilt es schnellstmöglich zu hinterfragen und aufzuklären.

 

 

 

Nicht mit uns! 88% sagen NEIN!

Es sind stürmische Zeiten, denen wir entgegen gehen. Die Antragskonferenzen zur SuedLink-Trasse stehen kurz bevor, nichts scheint das Verfahren noch aufhalten zu können. Doch, wie es in den letzten Tagen auf mehreren Veranstaltungen zum Thema SuedLink immer wieder zu hören war: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Daher werden wir von KIEBITZGRUNDaktiv weiterhin versuchen unseren Anteil an diesem Kampf zu leisten und alle Aktionen unterstützen, die das Ziel haben eine weitere Stromtrasse durch den Kiebitzgrund zu verhindern.

Unterschriftenaktionen waren immer schon ein probates Mittel um Bürgerprotest zum Ausdruck zu bringen. Schlotzau hat für den Kiebitzgrund den Anfang gemacht, um zu zeigen, wir alle sorgen uns um die Zukunft unseres Dorfes, um die Zukunft unserer Region. Es können noch weitere Aktionen in den Dörfern Großenmoor, Hechelmannskirchen und Langenschwarz folgen.

Unterschriftenaktion in Schlotzau

An alle Schlotzauer Bürgerinnen und Bürger ein herzliches Dankeschön!

Es war überwältigend! In den letzten Tagen war unsere Initiative  KIEBITZGRUNDaktiv im Dorf unterwegs und hat Unterschriften gegen die SuedLink-Trasse gesammelt. Die Ängste und Bedenken gegenüber der geplanten Stromtrasse waren allerorts spürbar. Das vorläufige Ergebnis der ersten Unterschriftenaktion im Kiebitzgrund belegt dies auf beeindruckende Weise:

88% der Bevölkerung stimmen mit einem klaren NEIN zu SuedLink

Mancher wird sich dennoch fragen, warum „nur“ 88%. Ganz einfach: Urlaubszeit, berufliche Verpflichtungen, Wochenende, Krankenhausaufenthalte ect. und ein begrenzter Zeitraum der Unterschriftenaktion waren dafür verantwortlich. Es wurden auch nur die Stimmen der Wahlberechtigten gewertet, denn die Kinder sprechen in eigener Aktion:

Bereits vergangene Woche waren die Kleinbürger, unterstützt vom Verein Naturfreunde Kiebitz Schlotzau, bei Bürgermeister Alexander Hohmann vorstellig und haben ihr Anliegen vorgetragen.

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Sie haben mit viel kindlicher Fantasie ein wunderschönes Bild gegen den geplanten Bau der Stromtrassen erstellt. Herr Hohmann versprach den Kindern, es an einem für alle gut sichtbaren Platz, in der Gemeinde aufzuhängen.

 

 

So sprechen Politik, Kirche und die Menschen vor Ort

Neue Trassenvarianten  sorgen für Unruhe und Empörung

Wie schon seit einigen Tagen angekündigt, geht TenneT nun mit den neuen Planungsvorschlägen für die SuedLink-Trasse in die Öffentlichkeit. KIEBITZGRUNDaktiv informiert die Menschen in der Region seit Wochen über die Problematik Netzausbau. Wie bereits befürchtet zeigt sich nun, dass es keine zufriedenstellende Lösung bei diesem Thema geben kann. Solange TenneT den „Schwarzen Peter“ von einer Gemeinde auf die andere schiebt, werden Städte und Dörfer gegeneinander aufgehetzt. Je mehr Trassenvarianten, umso größer die Verunsicherung. Keiner möchte freiwillig neben diesen Monstermasten wohnen, leben und arbeiten müssen.

Die Bürger und Bürgerinnen erwarten von den politisch Verantwortlichen, dass klare Worte gesprochen werden. Ein „Warten wir erst mal ab…“ darf es hier nicht geben! Michail Gorbatschow, 1990 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, mahnte in Zeiten des kalten Krieges mit den Worten: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Inzwischen wird der ehemalige Präsident der Sowjetunion regelmäßig zitiert. Auch für unseren Widerstand gegen das Milliardenprojekt SuedLink haben seine Worte Gültigkeit. Wir müssen weiterkämpfen und unseren Protest gegen den Trassenwahn  für alle sichtbar machen, denn sonst bestraft auch uns das Leben.

Kirche, Politik und die betroffenen Menschen melden sich zu Wort

Im gemeinsamen Kampf gegen die Zerstörung unserer Heimat hat sich auch unser evangelischer Pfarrer zu einem Kommentar bereit erklärt:

Matthias Dellit, Pfarrer und Vorsitzender des Kirchenvorstandes Schlotzau

„ Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten. Ihre Saat soll nicht aufgehen…“(Prophet Hosea, Kapitel 8, 7)

Ob nun gigantische Windräder oder zusätzliche Strommasten – die Folgen können verheerend sein für unser schönes Biotop Kiebitzgrund.

Kirche setzt sich schon seit jeher auch für die Bewahrung der Schöpfung ein, und ich persönlich unterstütze jede Initiative hier vor Ort, die mit fairen Mitteln und leidenschaftlich den „Goliaths“ widersteht, nach vernünftigen Auswegen (Erdverkabelung, Trassenverlegung etc.) sucht und den Mut nicht zu schnell sinken läßt.

In diesem Sinne wünsche ich allen, die für die Mit- und Nachwelt einen geschützten Lebensraum erhalten wollen, die Cleverness und die Courage des „kleinen David“,  der mit Gottes Hilfe auch „Riesen“ zu Fall bringen kann. Anders wird es nicht gelingen, „Sturm“  und „Wüste“  zu verhindern. Dafür setze ich mich gern mit der stärksten Waffe, die wir Christen haben ein, mit anhaltendem GEBET.

 

Bürgermeister  Alexander Hohmann hat auf Anfrage hin die gemeinsame Stellungnahme der Gemeinden Burghaun und Hünfeld bzgl. der SuedLink-Trasse übermittelt. Weiterlesen… 

Im Zuge einer Unterschriftenaktion, die  im Ortsteil Schlotzau durchgeführt wurde, haben die Bürger ihren Ärger und ihr Unverständnis zur geplanten SuedLink-Trasse durch den Kiebitzgrund deutlich zum Ausdruck gebracht.

Hier stellvertretend einige Wortmeldungen, die mit Erlaubnis der Befragten veröffentlicht werden dürfen:

Walter Gübler, Ortsvorsteher von Schlotzau:
…wir versuchen unser Dorf zukunftsfähig zu machen und jetzt wird mit einem Schlag alles vernichtet. Wenn diese Trasse gebaut wird, kommen keine neuen Bürger mehr nach Schlotzau. Die Technik entwickelt sich immer weiter, also ist zu erwarten, dass es in ein paar Jahren neue und alternative Möglichkeiten geben wird, die Menschen mit dem nötigen Strom zu versorgen. Regionale Energiekonzepte wären heute schon die bessere Lösung…

Inge Gremm, Vorsitzende der Naturfreunde Kiebitz Schlotzau e.V.:
Wieviel Belastung verträgt der Kiebitzgrund noch? Schon vor 38 Jahren hat das Engagement der Bürger eine Verlegung der Bahnstromtrasse bewirkt. Jetzt müssen wir die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden, Bürgerinitiativen und Vereinen verstärken, dann können wir mit unserem Einsatz auch gegen die SuedLink-Leitung erfolgreich sein. Mit den Schlotzauer Kindern waren wir bereits bei Bürgermeister Alexander Hohmann um ihm zu signalisieren: Es ist unsere Aufgabe die Natur zu schützen, die wir unseren Kindern hinterlassen.

Hans Bolender, Vorsitzender Pro Lebensraum Kiebitzgrund e.V.:
…Wir sind vom Verein  nach wie vor am Thema dran und führen harte Verhandlungen mit den Verantwortlichen. Es wird eine Bürgerinformation stattfinden und wir hoffen, Positives berichten zu können…

Hans Clausius von den „Jungen Alten“:
Uns verkauft man die Trasse indem man sagt, der Windstrom muss vom Norden hinunter nach Bayern geleitet werden. Aber eigentlich geht es nur um den internationalen Stromhandel, denn auch der Strom von den Atomkraftwerken in Frankreich und England muss transportiert werden. Und wir im Kiebitzgrund sollen dafür leiden…

Anita Juling :
…Wir müssen doch auch an unsere Kinder und Enkelkinder denken. Wenn wir uns jetzt nicht gegen SuedLink wehren, was haben sie dann für eine Zukunft im Dorf?…

Werner Rausch:
…Es gibt ein Sprichwort: Wenn Unrecht Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. So sieht es jetzt bei uns aus…

Willi Ritz:
…Nicht nur, dass die Natur verschandelt wird, auch über die gesundheitlichen Risiken muss man sprechen. Wer kümmert sich um uns und unsere Nachkommen? Jeder Vogel zählt mehr, als der Mensch. Das ist doch nicht richtig…

Heike und Matthias Merz:
…Jeder spricht vom Schutz der Rhön, wir gehören genauso zur Vorderrhön
. Und natürlich ist die Stomtrasse auch gesundheitsgefährdend. Dass HGÜ-Leitungen absolut schädlich sind,  kann man in den verschiedensten wissenschaftlichen Foren nachlesen, und da sprechen Experten…

Anja Peuker:
…Es ist wichtig, dass wir gemeinsam Widerstand zeigen, alle Bürger, alle Vereine, alle Dörfer im Kiebitzgrund. Nur so wird den Verantwortlichen klar, dass nicht nur vereinzelte Gruppen, sondern eine ganze Region gegen den geplanten Verlauf der Stromtrasse ist…

 

 

Anmerkung der Redaktion: Weitere Wortmeldungen werden folgen
Titelbild Fuldaer Zeitung

 

 

 

 

 

Bürgerdialog mit TenneT in Fulda

Posted on 01/10/2014

Bürgerinformationsveranstaltung in Fulda verstärkt den Widerstand

Am 30.09.2014 fanden in Fulda die Dialogveranstaltungen der Fa. TenneT mit Bürgerinitiativen und Bürgern statt. Bereits am Vormittag stellte der Netzbetreiber seine neuen Trassenvarianten vor und informierte darüber unter welchen Kriterien die Vorschläge aus der Bevölkerung und den Gemeinden sozusagen als „den Experten vor Ort“ in die weitere Planung miteinbezogen werden. Es wurde viel geredet, doch leider gab es für die betroffenen Gemeinden und Bürger nichts Neues zu berichten.

Die aktuellen Trassenpläne stehen schon seit einigen Tagen im Netz, mit dem Ergebnis, dass es in manchen Regionen jetzt eine derart große Vielfalt an Variantenmöglichkeiten gibt, dass noch mehr Verwunderung, Bestürzung und Angst bei den Menschen herrscht. Als Ergebnis dieser Veranstaltungen kann man vielleicht mitnehmen, dass zumindest die Bürgerinitiativen versuchen werden, ihren Druck auf die Verantwortlichen – und das ist letztendlich die Politik – zu verstärken indem sie ihren Widerstand entlang der Trasse bündeln und sich gegenseitig in ihrer Arbeit unterstützen.

Die Mitarbeiter der Firma TenneT waren bemüht, Rede und Antwort zu stehen, doch neue Erkenntnisse konnte man dadurch nicht gewinnen. Am 10. Oktober werden die Antragsunterlagen vorab der Öffentlichkeit vorgestellt und sind dann auch im Netz abrufbar.  Der Antrag zu SuedLink wird als ganzes Projekt und nicht nur in Teilabschnitten eingereicht werden.

Die Bundesnetzagentur, ebenfalls mit einem Informationsstand bei der Veranstaltung vertreten, konnte den Bürgern den genauen Ablauf des offiziellen Verfahrens erklären und auf die weiteren Einspruchsmöglichkeiten hinweisen.

KIEBITZGRUNDaktiv war bemüht auf die problematische Trassenführung gerade im Bereich unserer Dörfer im Kiebitzgrund aufmerksam zu machen und hat das intensive Gespräch mit Planungsbeauftragten und auch politischen Vertretern  gesucht.

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Im Zuge der Bürgerinformationsveranstaltung im Münsterfeld konnte KIEBITZGRUNDaktiv die Gelegenheit nutzen, mit Bundestagsabgeordnetem Michael Brand über die Problematik im Kiebitzgrund zu diskutieren. Themen wie Mindestabstand und Erdverkabelung wurden angesprochen. Herr Seifert von der Fa. TenneT war ebenfalls bemüht die Bedenken der Bürger zu zerstreuen, was in Anbetracht der vielen Trassenvarianten eine nicht zu lösende Aufgabe war. Die Unterschriftenliste der Bürger und Bürgerinnen von Schlotzau konnte schon im Vorfeld übergeben werden mit dem Auftrag, die Situation im Kiebitzgrund auch aus Sicht der Betroffenen zu bedenken. Denn Menschen lassen sich nicht durch Raumwiderstand und wirtschaftliche Effizienz definieren.

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Posted on 23/09/2014

Das Märchen vom Bürgerdialog

Ob von Politik oder Netzbetreiber, immer wieder ist zu hören, die Bürger werden in die Planung beim Stromnetzausbau miteinbezogen, dürfen mitreden und Vorschläge zu den Trassenverläufen einreichen. Man will Transparenz schaffen und das Gefühl vermitteln: Wir nehmen euch Bürger ernst.

Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

Am 30. September 2014 sind Bürger, Bürgerinitiativen und Politiker im Landkreis Fulda eingeladen, sich über die Ergebnisse des Projektdialogs der letzten Wochen zu informieren und sich mit TenneT darüber auszutauschen. Der Antrag zu SuedLink wird bereits am 03. November gestellt, also was will man uns jetzt vermitteln? Eine Antwort könnte so ausfallen: Ihr habt so schön mitgearbeitet, eure Vorschläge haben wir uns angeschaut, dafür vielen Dank. Aber leider müssen wir euch sagen, es bleibt alles wie in unseren eigenen Planungen berechnet. Die Trasse wird gebaut, geradeaus, ohne Erdverkabelung, einmal mitten durch Hessen und im Kiebitzgrund machen wir einen kurzen Richtungswechsel, denn da wohnen so wenig Menschen, dass man ein Dorf auch von drei Seiten tangieren kann.

Wenn nicht unser aller Zukunft davon abhängen würde, man könnte beinahe schmunzeln. Aber es wird bitterernst. Denn an den Fakten ist nicht zu rütteln: Nach der Antragseinreichung beginnt automatisch die Bundesfachplanung. Der vierte und somit vorletzte Schritt des Planungsverfahrens. Durch das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) , wie der Name schon zum Ausdruck bringt, kann in der Bundesfachplanung der Entscheidungszeitraum zur endgültigen Genehmigung des  Trassenkorridors verkürzt werden. Dann steht unwiderruflich fest, welche Gemeinden, welche Orte diese Bürde zukünftig tragen müssen.

Mit den Veranstaltungen am 30.September wird nur ein Ziel verfolgt: TenneT braucht die letzten Informationen um mit  Gewissheit alle Einwände rechtzeitig entkräften zu können, um gegenzusteuern und eventuell zu erwartende Klagewellen auszuschließen. Es wird ein letzter Datencheck erfolgen, ein finales Abhaken von Ungereimtheiten vor der Antragsstellung. Denn für die Planungsverantwortlichen darf es zu keiner zeitlichen Verzögerung mehr kommen. Erwarten wir allen Ernstes einen fairen Dialog?

Netzbetreiber TenneT, Mitarbeiterzahl allein in Deutschland über 1.000, Ingenieure, Geologen, Planungsexperten, geschulte Medienstrategen, beauftragt von der Bundesregierung den Netzausbau voranzutreiben. Wie werden sie auf unsere Eingaben reagieren? Es ist anzunehmen – gar nicht. Vielleicht mit gespieltem Bedauern, aber man ist ja einer großen Sache verpflichtet und kann auf die Kleinen keine Rücksicht nehmen.

Wo leben wir, wenn Gewerbegebiete bei der Korridorplanung berücksichtigt werden, aber Menschenleben nichts zählen? Wenn die Strahlenschutzkommission Humanstudien empfiehlt um mehr Erkenntnisse auf dem Gebiet der HGÜ-Technik zu erlangen? Sind wir die Versuchskaninchen für ein Pilotprojekt der Energiewirtschaft?

Trauriges Deutschland. Wir – die wir angeblich auf hohem Niveau jammern – dürfen aber dennoch fragen: Wer von den Entscheidungsträgern lebt freiwillig neben oder unter einer 500 kV Gleichstromtrasse? Im Kiebitzgrund stehen genügend Häuser zur Verfügung!

 

 

 

Naturschutz – Auch im Kiebitzgrund!

Fuldaer Zeitung vom 17.09.2014 – große Überschrift: „Den Sinkflug des Roten beenden“. Auf großem Bild, zufrieden lächelnd, Landrat Bernd Woide mit Zuwendungsbescheid „Artenhilfskonzept Rotmilan in der Rhön“. Nun, es ist immer medienwirksam, sich für solche Projekte einzusetzen und natürlich gibt es nur lobende Worte: „Das Projekt ist grenzüberschreitend und national von Bedeutung“.

Der Rotmilan ist auch im Kiebitzgrund zuhause! Über 900.000,00 €uro sollen in den nächsten Jahren für den Schutz dieses Vogels zur Verfügung gestellt werden. Bei uns? Nein, bei uns wird eine Monster-Stromtrasse geplant. Während man anderorts Waldbereiche „ruhig stellen“ will, damit der Rotmilan in Ruhe brüten kann, sogar Wanderer und Radfahrer als Störfaktor betrachtet werden, werden bei uns, wenn alles nach Plan der Netzbetreiber läuft, bald Baufahrzeuge den Wald und die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen verwüsten. So sieht die Wirklichkeit aus. Doch einmal zerstört, wird es Jahrzehnte brauchen, bis sich die Natur, wenn überhaupt, erholen kann.

Wie schonungslos ehrgeizige Projekte im Namen der Energiewende umgesetzt werden, zeigt uns gerade das Beispiel des neuen Windparks bei Freiensteinau, der am Sonntag (21.09.2014) eröffnet werden soll. Laut Medienberichten wurden vom Betreiber der Windräder unrechtmäßig 31.000 m² Wald gerodet. Ein Skandal! Schonungslos wurde hier Natur zerstört, aus Profitgier und wirtschaftlichen Interessen. Bleibt zu hoffen, dass durch die angekündigte Großdemonstration der Anti-Windkraft-Bewegung am Wochenende ein Zeichen gesetzt werden kann. Ursprünglich wollte Energieminister Al-Wazir den Windpark persönlich eröffnen, nach den negativen Entwicklungen der letzten Wochen und dem zu erwartenden Protest der Bevölkerung bleibt er der Veranstaltung vorsorglich fern.

Die Fachplaner der Stromtrasse SuedLink geben sich anscheinend Mühe, die beste Lösung für einen landschaftsschonenden Netzausbau zu finden. Doch was heißt das? Neue Leitungen sollen möglichst dort entstehen, wo es bereits eine „lineare Infrastruktur“ gibt, also andere Leitungen, Autobahnen, Bahnstrecken. Bündelung ist das Zauberwort, zum Schutz der Natur, zur Entlastung der Menschen. Nur Pech, wer gerade in der Nähe eines „Bündelungskorridors“ lebt.

Die Begehrlichkeiten von Politik und Wirtschaft werden immer größer. Im Namen der Energiewende werden Projekte maß- und ziellos vorangetrieben, nicht bedenkend, dass man die Welt nicht retten kann indem man die Natur zerstört.

Bildquelle:  reto.hofer „rotmilan“ / Flickr

Antrag für SuedLink am 3. November

DER COUNTDOWN LÄUFT

Lange Zeit herrschte Stillschweigen seitens TenneT was den Zeitpunkt der Antragseinreichung bei der Bundesnetzangentur angeht. Ein vages „voraussichtlich im Herbst“ war das einzige, was den Bürgern auf Anfrage zugespielt wurde. Nun kommt Licht ins Dunkel. Tennet bestätigte am Donnerstag einen Bericht der in Bielefeld erscheinenden Zeitung «Neue Westfälische» wonach  die Unterlagen zum Bau der umstrittenen Höchstspannungsleitung SuedLink am 3. November bei der Bundesnetzagentur eingereicht werden sollen. Wenn der Antrag gestellt ist, beginnt die Bundesfachplanung und  mit ihr die vierte Entscheidungsstufe des Planungsverfahrens für den Netzausbau.

Es wird also ernst, der Countdown für den Widerstand gegen die von Norddeutschland bis Bayern ausgelegte Stromtrasse läuft. Jetzt wird sich zeigen, was es mit  dem vielzitierten Dialogverfahren zwischen Netzbetreiber und Bürgern auf sich hat. Denn wenn TenneT bei den erneuten Informationsveranstaltungen nur die Gelegenheit nutzt die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen zu stellen, wenn die Änderungsvorschläge seitens der Kommunen und betroffenen Bürger bzgl. des Trassenverlaufs kein Gehör gefunden haben, dann wird es Zeit über rechtliche Schritte nachzudenken.

NEUER TERMIN ZUM PLANUNGSSTAND

Am Dienstag, 30. September 2014, wird Netzbetreiber TenneT die Weiterentwicklung der Planungen zur SuedLink-Trasse vorstellen. Die Veranstaltung findet von 17.00 bis 20.00 Uhr in der Münsterfeldhalle im Münsterfeld in Fulda statt.

Netzbetreiber TenneT lädt Bürgerinitiativen und Bevölkerung ein, um die Auswertung der ersten Bürgerbeteiligung vorzustellen. Was ist bisher geschehen? Rund 3000 Hinweise von Bürgern wurden von Genehmigungs- und Planungsexperten gesichtet und geprüft. Ob unsere Einwände und Alternativvorschläge dabei berücksichtigt wurden, wird sich jetzt zeigen. Es fühlt sich an, wie ein Kampf David gegen Goliath, aber „Kiebitzgrund-aktiv“ wird sich weiterhin am Protest gegen SuedLink beteiligen und versuchen, gemeinsam mit anderen Mitstreitern eine für unsere Region verträgliche Lösung zu finden. Immer unter der Voraussetzung, dass Netzbetreiber TenneT wirklich den Dialog mit der Bevölkerung sucht.

DER WIDERSTAND FORMIERT SICH

Es tut sich was im Land! Und es tut sich was im Kiebitzgrund! War bisher das Thema SuedLink nur wenigen ein Dorn im Auge, beginnen sich nun immer mehr Menschen (und das mit Recht!) Sorgen um die negativen Auswirkungen der geplanten Gleichstromtrasse in ihrer nächsten Umgebung zu machen. Als Randgebiet im Landkreis von der Politik mehr oder weniger vernachlässigt, kann es nicht sein, dass die Lebensumstände der Bürger auf den Dörfern praktisch unberücksichtigt bleiben. Wer Landflucht beklagt, muss auch bereit sein, sich für die Menschen dort einzusetzen.

Natürlich leben wir in einem siedlungsarmen Gebiet, sonst könnten wir nicht von „Landbevölkerung“ sprechen. Der Kiebitzgrund liegt im Herzen von Deutschland, nach Auffassung des Netzbetreibers TenneT auf der idealen Nord-Süd-Verbindung für eine Stromtrasse. Dazu muss man keine Studien in Auftrag geben und keine Statistiken erstellen, das sind einfache geografische Fakten. Aber bestimmt kein Freibrief!

Dennoch haben wir die gleichen Rechte wie alle anderen Staatsbürger. Und dazu zählt auch, dass man unsere Bedenken ernst nimmt und einen fairen Dialog mit uns führt, gerade bei Entscheidungen die unser Leben so drastisch verändern werden.

Wir Steuerzahler finanzieren die Energiewende, also müssen wir auch die Notwendigkeit der angestrebten Großprojekte nachvollziehen können. Dies ist bei SuedLink nicht der Fall. Denn die wahren Gründe werden verschleiert: Stromhandel europaweit, Bevorzugung von Kohlestrom gegenüber erneuerbaren Energien, gestützt auf eine fragwürdige Bedarfsanalyse. Die Behauptung, es sind keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten ist mangels an geeigneten Studien und wissenschaftlichen Erkenntnissen schlichtweg verantwortungslos.

Politik im Großen und im Kleinen sollte sich immer wieder vor Augen führen, aus Bürgern werden bald wieder Wähler. Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen sollte selbstverständlich sein. Doch man hat eher den Eindruck, dass sich die Kommunen im Landkreis Fulda gegenseitig den viel zitierten „Schwarzen Peter“ zuschieben, während der Netzbetreiber TenneT weiterhin in aller Ruhe an der Antragsstellung für die Bundesfachplanung arbeitet.

Dies muss verhindert werden! Gemeinsame Aktionen aller Bürger und Vereine des Kiebitzgrundes können den Widerstand gegen die SuedLink-Trasse unterstützen und verleihen somit auch einer bevölkerungsarmen Region eine laute Stimme! Alle, die bisher noch keinen Einwand gegen die geplante Trasse erhoben haben, sollten dies schnellstens tun:

Ein kleiner Klick im Netz, aber ein wichtiges Zeichen des Protestes!

Wie erfolgreicher Bürgerprotest noch aussehen kann, zeigt ein bereits im Februar ausgestrahlter Bericht in der ARD-Sendung Monitor. Nehmen wir uns ein Beispiel an unserem Nachbarn Bayern, dort konnte durch den massiven Widerstand der Bevölkerung bereits ein Teilerfolg gegen die geplante Süd-Ost-Trasse erzielt werden.

Netzausbau – kritisch hinterfragt

Im März 2014 war in einem dringlichen Entschließungsantrag der Fraktionen CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag zu lesen:

„…Eine in erster Linie oder ausschließlich auf erneuerbare Energien gestützte Stromversorgung erfordert aus Sicht des Landtages deutschlandweit einen umfassenden Aus- und Neubau der Stromnetze auf allen Spannungsebenen…“

Im Juni 2014 wurde dann in einer öffentlichen Anhörung das Thema „Ausbau der Übertragungsnetze“ vor dem Hintergrund der durch die Netzbetreiber vorgeschlagenen Trassenkorridore diskutiert. Möglichkeit zur Anhörung hatten u.a. die zuständigen Ministerien, die Netzbetreiber, die Bundesnetzagentur, die Deutsche Umwelthilfe e.V., und Experten.

Prof. Dr. Lorenz Jarass, Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Hochschule Rhein Main und gefragter Experte zum Thema Energie, konnte seine kritische Haltung zum Stromnetzausbau überzeugend dargestellen. Seit Jahren beleuchtet der renommierte Wissenschaftler in zahlreichen Publikationen die wahren Hintergründe des geplanten Netzausbaus und erklärt anschaulich, dass gerade auch rechtliche Defizite den überdimensionierten Stromnetzausbau fördern.

Die SuedLink-Trasse wird, wenn sie denn gebaut wird, abgesehen von zerstörerischen Eingriffen in Landschaft und Natur, vor allem die zukünftige Energiepolitik beeinflussen. Denn nicht die Stromversorgung in Deutschland durch erneuerbare Energien steht im Vordergrund des Interesses, sondern der europaweite, profitversprechende Stromhandel.

Per Gesetz (EnLAG, NEP und BBPlG) ist die Einspeisung von Kohlestrom in die Übertragungsnetze geregelt. Kohlekraftwerke werden weiterhin gebaut und eine starke Lobby achtet darauf, dass der Betrieb nicht durch den Ausbau erneuerbarer Energien behindert wird.

Den geplanten Netzausbau werden wir Stromverbraucher bezahlen (egal welcher Strom am Ende durch die Leitungen fließt), also sollten wir seine Notwendigkeit auch kritisch hinterfragen.

Gesundheitliches Risiko Gleichstromtrasse

Prolog

Geht es um die Abwägung gesundheitlicher Risiken, so lohnt ein Blick über den Tellerrand: Schaut man beispielweise auf die Position der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema Elektronische Zigaretten. Hier wird mangels Studien über die langfristige Auswirkungen von E-Zigaretten eine ablehnende, warnende Haltung eingenommen. Das Fazit: „Die Sicherheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit der E-Zigarette ist nicht erwiesen. Daher ist vom Konsum abzuraten.“

Auch beim Thema Gleichstrom ist festzuhalten, dass es zu den negativen Auswirkungen von Gleichstrom auf die menschliche Gesundheit noch keine fundierten Langzeitstudien gibt. Die gesundheitlichen Risiken werden allerdings von Industrie und Politik heruntergespielt. Eine ablehnede Haltung bzw. ein Abwarten entsprechender Studien? Fehlanzeige!

Gleichstromtrasse – eine gesundheitliche Grauzone

Letztlich ist jeder Mensch verschieden. So wie wir unseren Alltag unterschiedlich gestalten, so reagieren wir auch unterschiedlich auf diverse Umwelteinflüsse. Die einen sind äußerst lärmempfindlich, andere haben wiederum einen sensiblen Geruchssinn. Mit einer sich rasant verändernden Welt sowie der Vernetzung und zunehmenden Technologisierung unseres Alltags geht auch eine sätrker werdende Belastung der Gesundheit einher. Immer mehr Menschen plagen sich mit Allergien, manche können bei Vollmond nicht schlafen. Und in vielen Fällen bleiben die Ursachen und Hintergründe unentdeckt bzw. nicht erklärbar. Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gliederschmerzen, Hautausschläge, Schlafstörungen, bis hin zu den unterschiedlichsten Krebserkrankungen – jeder hat damit auf die eine oder andere Weise schon seine Erfahrungen gemacht.

Jetzt wird eine Gleichstromtrasse ungeahnten Ausmaßes quer durch Deutschland gebaut, eine erneute Strahlenquelle, doch angeblich ohne schädliche Auswirkungen auf den Menschen. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, gesundheitliche Beeinträchtigungen seien nicht zu erwarten, empfohlene Grenzwerte würden angeblich sogar unterschritten.

Doch wir sollten mit Skepsis reagieren, wenn uns jemand Unbedenklichkeitsbescheinigungen ausstellt, ohne auf fundierte wissenschaftliche Langzeitstudien zurückgreifen zu können. Zurecht werden die Stimmen immer lauter, die sich für mehr Schutz und Vorsorge durch Vermeidung und Minimierung von Strahlenbelastung im Allgemeinen einsetzen und dies auch auf gesetzlicher Ebene fordern.

 

Gesundheitliche Wirkungen niederfrequenter Magnetfelder

Recherchiert man ein wenig im Internet, so stößt man schnell auf mögliche Risiken, die u.a. vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) als „Gesundheitliche Wirkungen niederfrequenter Magnetfelder“ thematisiert werden. Demnach treten in bewohnten Gebieten heute künstliche Magnetfelder großräumig, intensiv und dauerhaft überall dort auf, wo elektrischer Strom fließt. Die Feldstärken liegen in vielen Fällen bereits mehr als zehntausend- bis millionenfach höher als die natürlichen Felder und damit im Bereich von biologisch nachweisbaren oder vermuteten Wirkungen.

„Wenn es Alternativen gibt, die den Ausbaubedarf verringern, dann müssen sie ebenfalls geprüft werden und im Zweifel Vorrang erhalten“, sagte der BUND-Experte. „Nicht eintreten darf, dass jetzt der Neubau möglichst vieler Trassen forciert wird. Viele davon könnten sich schon in wenigen Jahren als Fehlplanungen erweisen“, so BUND-Energieexperte Werner Neumann.

Epidemiologische Untersuchungen an Bevölkerungsgruppen, die erhöhten magnetischen Feldern ausgesetzt waren, deuten auf höhere Risiken für bestimmte Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen bereits bei Flussdichten von weniger als 1 µT hin. Die Studien weisen auch auf den starken Verdacht, dass niederfrequente Magnetfelder ab etwa 0,2 µT zu einem erhöhten Leukämierisiko bei Kindern führen.

Entscheidend ist letztlich die gesamte, auf den Menschen einwirkende Feldstärke. Auch die örtlichen und häuslichen Stromversorgungsleitungen verursachen bei geringen Abständen durchaus Expositionen von >0,3 Mikrotesla. Solche Einwirkungen in unmittelbarer Nähe werden oft unterschätzt.

Die Frage eines ausreichenden Schutzes vor zusätzlich einwirkenden Feldern durch Hochspannungsleitungen ist aufgrund der vielfältigen Quellen im täglichen Lebensumfeld daher nicht leicht zu beantworten. Ein Herunterspielen der Risiken durch die Befürworter der Stromtrasse ist jedoch purer interessensgeleiteter Lobbyismus.

Letztlich sollte es jedem selbst überlassen sein, sich eine eigene Meinung zu bilden.

SuedLink – Geschichte einer Monstertrasse

Worum geht es?

Bundesnetzausbau, Streitpunkt Stromtrasse SuedLink. In dem umstrittenen Projekt fragen regional Betroffene seit Wochen nach Details zur bevorzugten Trasse. Bislang vergeblich. Daher ist es Zeit, Aufklärung zu betreiben und eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit zu zeigen!

SuedLink ist ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW. Mit insgesamt ca. 800 Kilometern Länge handelt es sich um das größte Infrastrukturprojekt der Energiewende. Die Verbindung zwischen Wilster bei Hamburg und Grafenrheinfeld in Bayern ist bereits in den Bundesbedarfsplan aufgenommen worden. Zunächst wird die Bundesfachplanung für die Verbindung von Wilster nach Grafenrheinfeld eröffnet. Die Antragsstellung ist noch für den Herbst 2014 geplant. Bei SuedLink handelt es sich um ein länderübergreifendes Vorhaben. Die Bundesnetzagentur entscheidet letztendlich über den Bau der Stromtrasse.

Im Jahr 2022 soll die SuedLink Trasse in Betrieb gehen, rechtzeitig zur Abschaltung der letzten Atomkraftwerke. Bis dahin werden weithin sichtbare Schneisen durch Wälder, Felder, Dörfer, Städte gezogen, Erdbewegungen unvorstellbaren Ausmaßes werden ganze Landschaften über Jahre hinweg zerstören. Transportstraßen müssen gebaut werden, schweres Gerät und Material wird täglich transportiert werden. Lärm und Umweltverschmutzung werden zu unseren täglichen Herausforderungen zählen. Waren wir bisher schon entsetzt, was die wirtschaftliche Nutzung unserer Wälder angerichtet hat und weiterhin anrichtet, durch das Riesenprojekt SuedLink wird unsere Natur, Lebensraum von Tier und Mensch für immer zerstört. Jetzt, wo die Renaturierungsmaßnahmen, die durch den Bau der Bahntrasse erforderlich waren, langsam zu greifen beginnen, wird die Monstertrasse SuedLink eine derart große Umweltbelastung darstellen, dass das Projekt für viele Tiere zum Überlebenskampf werden wird, den nicht alle gewinnen werden. Und wir Menschen?

„[…] Es gibt noch acht Atomkraftwerke die laufen. Ich will, dass sie abgeschaltet werden und dann muss man irgendwann auch die Frage beantworten: Wie bekommt man den Strom dahin, wo er gebraucht wird?“, so Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir gegenüber dem Hessischen Rundfunk.

 Aber: Es stellen sich noch ganz andere Fragen die beantwortet werden wollen:

  • Warum spricht niemand davon, dass durch den Ausbau der Stromnetze hauptsächlich der Handel mit Strom vorangetrieben wird?
  • Warum gibt niemand zu, dass es sich vordergründig um wirtschaftliche Interessen handelt? Um Geld verdienen zu einem hohen Preis, der von den Menschen bezahlt wird, die dann für immer von den Strommasten umzingelt sind?
  • Warum werden die gesundheitlichen Risiken klein geredet, wo es sich doch um ein Pilotprojekt handelt und keine Langzeitstudien zum Thema der gesundheitlichen Auswirkungen von Gleichstrom existieren?
  • Warum warnt uns niemand vor elektrostatischen Störungsfeldern, vor entstehenden Raumladungswolken, die eine Beeinträchtigung von Antennen- und Satellitenempfang zur Folge haben werden?
  • Was ist das für eine Energiewende, wenn künftig durch ein riesiges europaweites Stromnetz Atomstrom aus dem Ausland und schmutziger Kohlestrom transportiert werden soll?
  • Warum sind wir Dorfbewohner Menschen zweiter Klasse? Alle Nachteile des Landlebens nehmen wir in Kauf, weil wir entweder hier geboren sind oder die Natur lieben und als schützenswert erachten, warum missachtet man unsere begründeten Bedenken gegen dieses Milliardenprojekt SuedLink?

Ja warum?

Weil unsere Stimme nur im Wahlkampf zählt. Weil man mit unseren Steuergeldern gerne milliardenschwere Versuchsprojekte finanziert. Weil im Falle einer Fehlinvestition niemand zur Verantwortung gezogen wird. Weil wir erst informiert werden, wenn es zu spät ist.

Wir leben auf dem Land, aber nicht hinterm Mond! Wir müssen beweisen, dass wir kämpfen können. Jeder einzelne, alle zusammen für das gleiche Ziel:

Keine SuedLink-Trasse durch den Kiebitzgrund!

 

Netzausbau: Das müssen Sie wissen

Die Energiewende wird sichtbar: Durch die Energiewende und den wachsenden europäischen Stromhandel wird der geplante umfangreiche Ausbau der deutschen Höchstspannungsnetze begründet. Bis 2022 soll eine 800 Kilometer lange Stromtrasse durch Deutschland gebaut werden. Ziel ist die Schaffung von Voraussetzungen für mehr Wettbewerb auf den Märkten für Energieerzeugung, Energiehandel und Energielieferungen. Die Netzbetreiber TenneT und TransnetBW präsentierten am 05. Februar 2014 einen ersten Vorschlag für die 800 Kilometer lange Haupttrasse des Projekts “SuedLink” – und ein größerer Teil der Route führt auch durch Hessen, genauer gesagt: Direkt durch den Kiebitzgrund.

Bundesnetzagentur
Die Bundesnetzagentur ist eine selbständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Seit dem Jahr 2011 übernimmt die Bundesnetzagentur zudem Aufgaben im Bereich des Netzentwicklungsplans.

Gesetzliche Grundlage
Die gesetzlichen Grundlagen für die Tätigkeit der Bundesnetzagentur im Energiebereich sind das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG).

Energiewirtschaftsgesetz (EnWG)
Die Betreiber von Energieversorgungsnetzen (Netzbetreiber) werden von der Bundesnetzagentur und den Landesregulierungsbehörden überwacht. Das Energieversorgungsnetz wird sowohl von Energielieferanten („Netznutzern“) zur Belieferung von Kunden als auch von Kraftwerksbetreibern zur Einspeisung von Elektrizität benötigt. In Deutschland sind vier Netzbetreiber tätig: Amprion, TransnetBW, Tennet TSO und 50Hertz Transmission. Sie haben sich zum deutschen Netzregelverbund zusammengeschlossen, um das Gleichgewicht von Verbrauch und Erzeugung elektrischer Leistung in untereinander verbundenen Stromnetzen zu optimieren. Damit diese Monopolstellung nicht ausgenutzt wird um ausgewählte Netznutzer zu bevorzugen bzw. zu benachteiligen, müssen Regulierungsbehörden den fairen Zugang zu den Energieversorgungsnetzen sicherstellen. Das ist u.a. auch die Aufgabe der Bundesnetzagentur.

Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG)
Seit 2011 erfüllt die Bundesnetzagentur darüber hinaus verschiedene Aufgaben beim Ausbau der Stromnetzinfrastruktur. Da die deutschen Stromnetze in ihrem jetzigen Zustand nur bedingt auf den zusätzlichen Transport großer Mengen erneuerbarer Energien vorbereitet sind, wurde die Bundesnetzagentur mit Verabschiedung des NABEG beauftragt, für einen beschleunigten Ausbau zu sorgen. Effiziente Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen dies ermöglichen. Seit Juni 2013 wurde der Bundesnetzagentur die Kompetenz für die Durchführung von Planfeststellungsverfahren für länder- und grenzüberschreitende Netzausbauvorhaben übertragen.

Planungsverfahren beim Bau von Übertragungsnetzen
Vereinfacht ausgedrückt gibt es drei Planungsebenen für den Bau von Übertragungsnetzen, zum Transport von Elektrizität über ein Höchstspannungs- und Hochspannungsverbundsystem: Bedarfsermittlung, Bundesfachplanung und Planfeststellung. Im Austausch mit den Behörden, Vereinigungen und der Öffentlichkeit sollen die Anforderungen an die Planung möglichst frühzeitig geklärt werden. Beteiligung am Verfahren ist zu verschiedenen Zeitpunkten jedem Bürger möglich.

Das Projekt SuedLink befindet sich momentan planungstechnisch gesehen zwischen der Bedarfsermittlung, die vorliegt, und der Bundesfachplanung. Die aktuellen Informationsveranstaltungen der Fa. TenneT sind Teil der vorgezogenen Bürgerbeteiligung.

Netzausbau in fünf Schritten:

timeline

1) Szenariorahmen >>> Dies ist bereits geschehen!
Der Szenariorahmen beschreibt die wahrscheinlichen Entwicklungen der deutschen Energielandschaft in den kommenden Jahren und wird von den Netzbetreibern entworfen. Genehmigt wird er von der Bundesnetzagentur, Resultat ist der Netzentwicklungsplan.

2) Netzentwicklungsplan >>> Dies ist bereits geschehen!
Der Netzentwicklungsplan muss von der Bundesnetzagentur bestätigt werden. Mögliche Umweltbelastungen werden im Umweltbericht festgehalten.Bürger, Verbände und Behörden können in Beteiligungsrunden konstruktiv am Netzentwicklungsplan und an der Umweltprüfungmitarbeiten. Bestätigte Netzentwicklungspläne und Umweltberichte dienen als Entwurf eines Bundesbedarfsplans.

3) Bundesbedarfsplan >>> Dies ist bereits geschehen!
Der Bundesbedarfsplan enthält eine Liste der benötigten Leitungsvorhaben (bei Neubauprojekten jeweils mit Angabe der Start- und Endpunkte). Wesentlicher Teil des Bundesbedarfsplans ist eine Liste künftiger Höchstspannungsleitungen. Die Bundesregierung muss mindestens alle drei Jahre einen solchen Entwurf dem Bundesgesetzgeber zur Abstimmung vorlegen. Mit dem Erlass des Bundesbedarfsplangesetzes sind nun die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf verbindlich festgestellt, die Anfangs- und Endpunkte der künftigen Höchstspannungsleitungen fest.

4) Bundesfachplanung
Bundesfachplanung nennt man das Verfahren bei dem nun die Trassenkorridore festgelegt werden. Bis zu 1.000 Meter breite Streifen, in denen später einmal die Leitungen verlaufen werden. Dazu gehört auch eine erneute Strategische Umweltprüfung. Zunächst schlägt der zuständige Netzbetreiber einen Korridorverlauf vor. In seinem Antrag muss er zudem auch mögliche Alternativen darlegen. Das bundesweit einheitliche Vorgehen soll die Planung der benötigten Leitungen beschleunigen. Die Verantwortung für Höchstspannungsleitungen, die durch mehrere Bundesländer oder ins Ausland führen sollen, liegt grundsätzlich bei der Bundesnetzagentur. Die in der Bundesfachplanung festgelegten Trassenkorridore sind verbindlich für die anschließende Planfeststellung und werden nachrichtlich in den Bundesnetzplan aufgenommen.

>>> Sobald die beiden zuständigen Netzbetreiber TenneT und TransnetBW einen Antrag stellen, beginnt die Bundesfachplanung. Dies soll für die SuedLink-Trasse im Herbst 2014 geschehen!

5) Planfeststellung
Die Planfeststellung bzw. das Planfeststellungsverfahren beginnt wieder mit einem Antrag des zuständigen Netzbetreibers und erfolgt auf Grundlage der Bundesfachplanung. Dieser Antrag enthält Pläne und Beschreibungen des konkreten Leitungsvorhabens und Erläuterungen zu den Umweltauswirkungen. Die Bundesnetzagentur führt nun mit den Trägern öffentlicher Belange sowie den Vereinigungen und Verbänden eine Antragskonferenz durch. Die Auswirkungen des geplanten Bauvorhabens werden von den entsprechenden Behörden auf Umweltverträglichkeit geprüft. Der exakte Leitungsverlauf ist nun festgelegt, die Maststandorte sind bekannt und auch die Wege auf denen später die Baufahrzeuge fahren können.

>>> Der Planfeststellungsbeschluss ist der letzte, endgültige Schritt des Verfahrens. Die Höchstspannungstrasse wird gebaut.