Wird jetzt der Kiebitzgrund „verLinkt“?

„Nicht schon wieder!“, mögen manche denken und Unmut macht sich breit. Wird jetzt die nächste große Infrastrukturmaßnahme – wie aus heiterem Himmel – durch den Kiebitzgrund und das Schlitzerland geplant? Nur wenige Tage nach Konsultationsende zum Umweltbericht 2023-2037/2045 wird der Trassenverlauf von SuedWestLink und NordWestLink durch die Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW vorgestellt. Das wirft Fragen auf.

Warum diese schnelle Entscheidung für den Trassenverlauf?

Schon bei den Informationsveranstaltungen der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Präferenzraumermittlung wurde bekannt, dass die Übertragungsnetzbetreiber parallel bereits die Trassenplanung vorantreiben. Das Ergebnis stand also schon fest, bevor die Stellungnahmen abgegeben wurden. Während sich Mitarbeiter:innen in Kreis-, Stadt- und Gemeindeverwaltungen um eine konstruktive Konsultation bemühten, wurde ihnen ein Mitspracherecht von Anfang an verweigert. Diese Form der Öffentlichkeitsbeteiligung ist eine Farce! 

Wie können sich Kommunen  gegen diese Planungen wehren?

Zitat von Theodor Heuss, dem 1. Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland:
„Die Gemeinde ist wichtiger als der Staat und das Wichtigste in der Gemeinde sind die Bürger.“

Es ist an der Zeit, die Übertragungsnetzplanung insgesamt zu hinterfragen. Denn nach wie vor gibt es kein schlüssiges Konzept für die Energiewende. Alternativen, die nicht leitungsgebunden sind, werden nicht in die Planung miteinbezogen. Das bedeutet, es muss politischer Druck auf die Bundesregierung ausgeübt werden, denn den Kommunen wird zunehmend das Recht auf Selbstbestimmung genommen. Die Regionalentwicklung ist durch den gigantischen Flächenverbrauch gefährdet. Nicht nur die Höchstspannungsleitungen selbst, sondern auch die entsprechenden Lagerplätze für Stromkabel, Zuwegungen und Nebenanlagen nehmen viele Hektar Land in Anspruch.   Stromautobahnen dienen dem Stromhandel und behindern die Energiewende vor Ort. Um den Strom aus regionalen Wind- und Solarparks vor unseren Haustüren ans Netz bringen zu können, brauchen wir Verteilernetze, keine HGÜ-Leitungen! Nur so kann die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.

Warum schon wieder neue HGÜ-Leitungen?

Der aktuelle Entwurf zum Netzentwicklungsplan (NEP) weist eine Vielzahl an neuen HGÜ-Leitungen aus. Man begründet diese Gleichstromtrassen durch den geplanten Ausbau von Offshore-Anlagen. Für die Windenergienutzung auf See ist bis zum Jahr 2045 eine Leistung von 70 GW vorgesehen. Ein völlig unrealistisches Ausbauziel, das aber den Netzausbau wesentlich beeinflusst. Die installierte (!) Leistung auf See beträgt derzeit 8,4 GW.

Viele Faktoren bringen Offshore-Projekte bereits jetzt zum Scheitern: Lieferengpässe, Kostenexplosion, steigende Zinsen, Inflation. Dies muss auch die BNetzA in ihren Entscheidungen berücksichtigen. Obwohl schon heute für den Übertragungsnetzausbau  Investitionskosten von 300 Milliarden Euro geplant sind, kann die Versorgungssicherheit für Deutschland nicht garantiert werden (Aussage der ÜNB). Eine sichere, preisgünstige und umweltfreundliche Energieversorgung – wie im EnWG gefordert – ist mit diesen Netzplanungen nicht möglich.

Viele geschützte und sensible Ökosysteme werden aus eigennützigen wirtschaftlichen Interessen der Energiekonzerne  in ganz Deutschland überplant. Dem Umwelt- und Artenschutz wird keine Bedeutung mehr zugemessen. Aus diesem Grund hat auch der Bundesverband der Bürgerinititiven gegen SuedLink seinen Unmut in einer eine Stellungnahme zum Umweltbericht Ausdruck verliehen: 2024-01-27 Stellungnahme Umweltbericht_web

Kiebitzgrund und Schlitzerland werden überplant

Jetzt stehen Kiebitzgrund und Schlitzerland nach 10 Jahren wieder im Fokus der Stromnetzplanung. Wir haben viel zu verlieren. Die Gefahr der Überbündelung ist größer denn je.

  • Windpark Günterswald – Genehmigt durch das Regierungspräsidium in Kassel
    https://osthessen-news.de/n11756202/rwe-entwickelt-windpark-im-guenterswald-versorgung-von-22-700-haushalten.html
  • NordWestLink und SuedWestLink – 2 HGÜ Leitungen gebündelt – 2 x 2 GW / 2 x 525 kV
    Projektinformationen unter: https://www.stromnetzdc.com/projekte/
    Kartenübersicht im Web GIS : https://webgis.suedlink.com/extern/synserver?project=Hinweise_StromNetzDC

Infomarkt von TenneT und TransnetBW u.a. am 14.02.24 von 16.00 – 20.00 Uhr in der Kolpinghalle Hünfeld (Stadtsaal)

Es ist wichtig, sich zu informieren und zu engagieren. Die unkontrollierbare Beschleunigung bei Infrastrukturmaßnahmen geht immer zu Lasten des Umwelt- und Artenschutzes.  Noch vor Genehmigung des Netzentwicklungsplans werden willkürlich Trassenkorridore geplant. Da, wo man bei SuedLink noch Raumwiderstände beachtete und eine Erdverkabelung in unserer Region nicht möglich schien, werden jetzt anscheinend problemlos alle Hindernisse durchquert.  Die Überbündelung bei uns direkt vor der Haustür ist  mit einem großen Verlust an Lebensqualität verbunden. Großbaustellen, Waldrodungen, es ist mit Lärm und vielen gravierenden Veränderungen zu rechnen.

Wollen wir uns gemeinsam gegen diese Stromnetzplanung stellen? Dann medelt euch per Mail an: kiebitzgrund@gmail.com

Bahn legt Vorzugsvariante fest

Beitragsbild: Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann

Beim Bahnprojekt Fulda-Gerstungen steht die Vorzugsvariante für den neuen, zweigleisigen Streckenverlauf fest. Die Eingaben und Stellungnahmen der Gemeinde Burghaun und die Proteste regionaler Bürgerinitiativen konnten die Planer bisher nicht überzeugen. Von der Ausfädelung bei Langenschwarz führt die Vorzugsvariante nach Bad Hersfeld, um dann östlich der Gemeinde Ronshausen auf die bestehende Strecke Richtung Erfurt einzufädeln.

Online-Informationsveranstaltung für interessierte Bürger:innen
zur Vorstellung der  Vorzugstrasse
am Donnerstag, den 31.03.2022, um 18:00 Uhr

https://www.db-buergerdialog.de/fulda-gerstungen

„Gewinner“ ist letztendlich die Stadt Bad Hersfeld, denn mit dem Fernverkehrshalt im bestehenden Bahnhof kann dieser aufgewertet werden. In Bezug auf den Deutschlandtakt könnte man die Frage stellen, welche Auswirkungen ein zusätzlicher Halt auf die Fahrzeiten hat. Verlierer, wie bei den meisten Infrastrukturprojekten bleiben Umwelt- und Naturschutz.

28 km Tunnel, 2 km Brücken und 11 km in freier Strecke – die Auswirkungen auf die betroffenen Regionen durch langjährige Baumaßnahmen sind enorm. Und dies für angeblich 10 Minuten verkürzte Fahrzeit zwischen Fulda und Erfurt. Ausgleichsmaßnahmen durch neue Biotope oder Anpflanzungen sind nur ein Tropfen (Tröpfchen) auf dem heißen Stein und dienen wahrlich nicht zur Kompensation der Umweltzerstörungen. Im Kiebitzgrund weiß man aus Erfahrung, wie lange die Region unter den massiven Bauarbeiten leiden wird.  Ob zusätzlich eine neue Stromtrasse durch den Kiebitzgrund gebaut wird ist bisher noch nicht thematisiert worden.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Deutsche Bahn stellt nun den Antrag auf Planfeststellung und reicht die Unterlagen zum Bahnprojekt Fulda-Gerstungen beim zuständigen Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ein.  Nachdem die Behörde diese auf Vollständigkeit geprüft hat, werden die Unterlagen für einen Monat in den zuständigen Gemeinden  ausgelegt und sind auch online einsehbar. Einwendungen von Kommunen, Behörden, Verbänden aber auch Privatpersonen können erneut schriftlich  abgegeben werden. Dazu muss die DB Stellung nehmen. Anschließend entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt ob ein Erörterungstermin zur Klärung aller Belange (z.B. Umwelt-, Lärmschutz,…) notwendig ist. Am Ende des Anhörungsverfahrens steht fest, ob das EBA den Planfeststellungsbeschluss erlassen und somit der DB das Baurecht erteilen wird.

Online-Informationsveranstaltung am 20.01.2022

2022 wird das Entscheidungsjahr für den Kiebitzgrund. Welche Großprojekte werden die Region treffen? Die Fulda-Main-Leitung wird nach wie vor heiß diskutiert und daher ist es ratsam, sich auch über die negativen Auswirkungen dieser 380 kV Leitung zu informieren. Immer häufiger wird die Notwendigkeit des geplanten Übertragungsnetzausbaus hinterfragt, denn für die Energiewende sind vor allem dezentrale Energiekonzepte der Schlüssel zum Erfolg.

Erneut bietet das Aktionsbündnis der Trassengegner einen Informationsabend an und gibt damit Betroffenen entlang der geplanten großen Stromtrassen eine Stimme, um auf die konkreten Probleme für Gemeinden, Landwirte und Grundstücksbesitzer aufmerksam zu machen.

„Zutritt für Tennet, Amprion und Co. zulassen?“

Online-Informationsabend am Donnerstag, 20. Januar 2022 um 19:00 Uhr

mit Rechtsanwalt Wolfgang Baumann
und Dr. Werner Neumann (Sprecher des Arbeitskreis Energie im wissenschaftlichen Beirat des BUND e.V.)

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bitte mit Klarnamen teilnehmen. Link zur Veranstaltung:
https://zoom.us/j/92286887854?pwd=NnRxVENSbGtOL1lPK3paWllpYzlCdz09

Aktuell laufen entlang zahlreicher geplanter Stromtrassen Kartierungsarbeiten, Bodenuntersuchungen und weitere Vorarbeiten durch die Übertragungsnetzbetreiber. Ein Großteil der Betroffenen fühlt sich angesichts zahlreicher Fragestellungen, die mit dem Stromleitungsbau entstehen, alleine gelassen von den Vertretern aus Landes- und Bundespolitik. Denn die politischen Entscheidungsträger entziehen sich der Diskussion um den Sinn des massiven Netzausbaus, obwohl anhand aktueller energiepolitischer Entwicklungen mehr denn je deutlich wird, dass die Trassen-Planungen den europäischen Handel mit Atom- und Kohlestrom stärken.

Die Auswirkungen der Großprojekte würden massiv sein: Die Menschen vor Ort sehen sich Problemen gegenübergestellt wie abgeholzten Wäldern, einem zerstörtem Bodenleben, einer gefährdeten Trinkwasserversorgung, der drohenden Verschmutzung des Grundwassers und vielen weiteren. Dies scheint bislang kaum im öffentlichen Bewusstsein angekommen zu sein, denn Informationen und fundierte, abgeschlossene Forschungsprojekte zu den möglichen Umweltgefahren existieren kaum.

Vielen Betroffenen ist nicht bekannt, dass sie sich gegen Vorarbeiten für den Leitungsbau gegebenenfalls zur Wehr setzen können. Wann und warum dies wichtig ist, was es nützen kann und warum der geplante Übertragungsnetzausbau der Energiewende, dem Klimaschutz und Mensch und Umwelt schadet, erklären die Experten. Referent für die rechtlichen Fragen ist der Würzburger Rechtsanwalt Wolfgang Baumann.

Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Grundbesitzer und Pächter entlang der geplanten großen Trassen – Südlink, Südostlink, Ultranet, Fulda-Main-Leitung P43, Juraleitung P53, Ostbayernring und weitere -, sondern auch an all diejenigen, die sich für das Thema Stromnetzausbau und Energiewende interessieren. Dr. Werner Neumann, Sprecher des Arbeitskreis Energie im wissenschaftlichen Beirat des BUND e.V., wird in einem Impulsvortrag die Position des Umweltverbandes darstellen.

Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan

Von Seiten der Bundesnetzagentur wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Ausbau der Stromübertragungsnetze von zentraler Bedeutung für das Gelingen der Energiewende sei. Die Integration der Erneuerbaren Energien und der Ausstieg aus der Kernenergie, werden in allen Stellungnahmen als Dringlichkeitsgrund für den zügigen Netzausbau aufgeführt.

Da der Ausbau des Stromnetzes als gesamtgesellschaftliche Herausforderung erkannt wird, ist man bestrebt die Bevölkerung zu informieren und an den Verfahren zum Netzausbau und somit an der Gestaltung der Energiewende zu beteiligen. Einschätzungen, Ideen und Hinweise sollen in die abschließende Beurteilung der Netzentwicklungspläne einfließen. Soweit die Theorie. Doch nach den Erfahrungen aus dem „Bürgerdialog“ mit ÜNB TenneT bzw. der Bundesnetzagentur in den vergangenen Wochen und Monaten zum Thema SuedLink muss man uns folgende Frage erlauben:

„Werden unsere Bemühungen zu konstruktiver Mitarbeit ernst genommen, oder betrachtet man die Beteiligung der Öffentlichkeit als Alibihandlung um den politisch vorgegebenen Rahmenbedingungen zum Planungsverfahren gerecht zu werden? Mitreden ja, aber mitbestimmen nein?“

Wir befürworten die Energiewende und sehen diese als einzige Chance für nachfolgende Generationen in einer intakten Umwelt leben zu können. Wir erwarten Entscheidungen, die sich nicht ausschließlich an wirtschaftlichen Interessen orientieren, sondern am Wohle der Menschen, im Sinne von Lebensqualität, Gesundheit, Nachhaltigkeit und dem verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Landes, sprich dem Schutz von Umwelt und Natur. Mit dem Netzentwicklungsplan werden die Weichen für das zukünftige Stromnetz in Deutschland gestellt.

Die Bundesnetzagentur stellt den aktuellen Netzentwicklungsplan zur Konsultation. Die Stellungnahmen aus der Bevölkerung können den Widerstand gegen die SuedLink-Trasse sichtbar machen und ein deutliches Zeichen gegen den überdimensionierten Netzausbau setzen.

Am 15. Mai 2015 endet die Frist zur Äußerung zum Netzentwicklungsplan 2014 / 2. Entwurf (Zieljahr 2024)

In vielen Gesprächen mit betroffenen Bürgern haben wir feststellen können, dass  die Ängste und Befürchtungen gegenüber der HGÜ-Trasse sehr ähnlich sind. Dies sollte auch bei den anstehenden Entscheidungen der BNetzA zu weiteren Netzausbaumaßnahmen berücksichtigt werden.

Wir haben einige der geäußerten Bedenken in Textbausteinen verarbeitet und stellen diese der Öffenlichkeit gerne als kleine Motivationshilfe für eine persönliche Stellungnahme zur Verfügung.  Beteiligen Sie sich am Konsultationsverfahren, denn SuedLink geht uns alle an! Das Worddokument können Sie jederzeit verändern, bzw. um eigene Argumente ergänzen. Senden Sie Ihren Einspruch per Post oder per Mail an die Bundesnetzagentur und helfen Sie mit, diesen Trassenwahn zu verhindern!

Stellungnahme… ein Klick und Sie sind dabei!

Bundesnetzagentur
Stichwort: Netzentwicklungsplan/Umweltbericht
Postfach 80 01
53105 Bonn

nep2024-ub@bundesnetzagentur.de

Tag der Erneuerbaren Energien

Am 25. April 2015 fand zum 20. Mal der Tag der Erneuerbaren Energien statt. An diesem Tag – der anfänglich zum Gedenken an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ausgerufen wurde – wurde die interessierte Öffentlichkeit bei zahlreichen Infoveranstaltungen über Erneuerbare Energien aufgeklärt.

Deutschland ist bestens gerüstet, das konnte man in den letzten Wochen deutlich erkennen. Weder die Sonnenfinsternis am 20. März, noch Orkan „Niklas“ am Ende desselben Monats, haben das Stromsysthem lahm legen können. Das Netz hat diese extremen Belastungsproben bestanden. Auch der April sorgte durch sonniges und windreiches Wetter für Rekordwerte bei der Einspeisung von erneuerbarem Strom.

Die Agentur für Erneuerbare Energien schreibt:

…Doch auch jenseits extremer Ereignisse erwies sich, dass das Stromsystem mit launischem Wetter gut umgehen kann und genügend Flexibilität bereithält: Am Dienstag den 21. April erreichte die Solarstromproduktion allein einen neuen Rekordwert von 26 GW. Das geht aus Daten des Fraunhofer-Institus für Solare Energiesysteme hervor. Steinkohlekraftwerke reagierten darauf flexibel und reduzierten ihre Leistung von 14 GW in den Morgenstunden auf 8 GW zur Mittagszeit, Gaskraftwerke von 6 auf 4 GW. Die Atomkraftwerke sowie die besonders klimaschädlichen Braunkohlemeiler liefen jedoch quasi ungedrosselt weiter…

Der angestrebte Netzausbau ist den Zugeständnissen an die Kohlewirtschaft geschuldet. Denn Kohlestrom kann immer, parallel zu Erneuerbaren Energien, eingespeist werden – daher das zeitweise Überangebot an Strom und die notwendige Regulierung der Einspeisung, bzw. billiger Verkauf ins Ausland. Es wird immer von den hohen Kosten für Gaskraftwerke gesprochen, aber wer bedenkt die finanziellen Belastungen die durch diese verfehlte Energiepolitik entstehen? Auch der überflüssige Netzausbau verschlingt Milliarden und wird durch die Netzentgelte finanziert werden. Bleibt nach wie vor die Frage nach der Nutzung von freiwerdenden Leitungen, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Die neueste Debatte im Bundestag zeigt wieder einmal auf, wie unterschiedlich die Parteien mit dem Thema Energiepolitik umgehen.  Bündnis 90/DIE GRÜNEN enttäuschen durch Ignorieren der Bürgerbedenken und fehlende Diskussionsbereitschaft und verärgern auch langjährige Weggefährten mit ihrer unnachgiebigen und unverständlichen Haltung. Einzig die LINKE scheint zurzeit glaubwürdig den Netzausbau infrage zu stellen. Frau Eva Bullin-Schröter, Energiepolitische Sprecherin der LINKEN mahnt endlich zu mehr Transparenz:

Alles, womit die Bundesregierung argumentiert, ist das Ergebnis einer Modellrechnung, die Geschäftsgeheimnis der Übertragungsnetzbetreiber ist und zweifelhafte Annahmen für die Zukunft zugrunde legt.

Wenn wir mit dem vorliegenden Gesetzentwurf die Bedingungen für die Erdverkabelung lockern und den Netzentwicklungsplan auf einen Zweijahresturnus umstellen, dann lassen Sie uns doch noch mehr beschließen: Sorgen wir dafür, dass die Bevölkerung, wir Abgeordnete und auch die Bundesregierung wissen können, womit der Netzbedarf überhaupt errechnet wird.

Die neuesten Zahlen belegen, dass inzwischen mehr als ein Viertel der Energie in Deutschland durch Wasserkraft, Solar-, Wind- und Bioenergie gewonnen wird. Windanlagen sind die am meisten genutzten Energieträger. Womit wir immer wieder zur gleichen Erkenntnis gelangen: Wir brauchen Speichertechnologien, die es uns ermöglichen bei Bedarf flexibel auf den Strommarkt zu reagieren. Die Entwicklungen auf diesem Sektor schreiten rasch voran und wir wissen, dass in naher Zukunft bezahlbare und umweltfreundliche Speichertechniken zur Verfügung stehen werden.

Der Umweltgedanke sollte immer im Vordergrund stehen, denn einmal zerstörte Natur ist unwiderbringlich verloren und auch durch Renaturierungsmaßnahmen nicht mehr auszugleichen. So können die massiven Eingriffe in den Waldbestand und die notwendigen Abholzungen beim Bau von Windkraftanlagen dazu führen, dass das gesamte bis dahin intakte Waldgefüge zerstört wird. Die immer häufiger auftretenden Stürme finden ungehindert  neue Angriffsflächen und weiteres Waldgebiet ist nahezu schutzlos der Vernichtung preisgegeben. Auch erneuerbare Energien müssen umweltschonend ausgebaut werden. Der WWF warnt vor beschleunigtem Klimawandel, sollte die weltweite  Zerstörung der Wälder aus wirtschaftlichen Gründen weiter anhalten. Dies gilt nicht nur für die großen Regenwaldgebiete, auch für unseren heimischen Wald gestaltet sich die zunehmende industrielle Ausbeutung als Problem.

Wenn jetzt zusätzlich noch Bäume wegen der Gleichstromtrasse SuedLink fallen müssen, dann schwächt dies erneut unser natürliches Wohnumfeld, unseren Erholungsraum Wald. Auch wenn Bedenken immer wieder beiseite gewischt werden, viele Beispiele der Vergangenheit zeigen: Ignoriert man die Warnsignale wird Umweltzerstörung zum Bumerang. Klimakatastrophen mehren sich, Artenreichtum wird vernichtet, Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Eine Buche, wie sie in unseren Wäldern noch häufig vorkommt, braucht 100 Jahre Wachstum. Alles wertlos wegen kurzzeitiger wirtschaftlicher Vorteile?

 

 

 

Naturschutz – Auch im Kiebitzgrund!

Fuldaer Zeitung vom 17.09.2014 – große Überschrift: „Den Sinkflug des Roten beenden“. Auf großem Bild, zufrieden lächelnd, Landrat Bernd Woide mit Zuwendungsbescheid „Artenhilfskonzept Rotmilan in der Rhön“. Nun, es ist immer medienwirksam, sich für solche Projekte einzusetzen und natürlich gibt es nur lobende Worte: „Das Projekt ist grenzüberschreitend und national von Bedeutung“.

Der Rotmilan ist auch im Kiebitzgrund zuhause! Über 900.000,00 €uro sollen in den nächsten Jahren für den Schutz dieses Vogels zur Verfügung gestellt werden. Bei uns? Nein, bei uns wird eine Monster-Stromtrasse geplant. Während man anderorts Waldbereiche „ruhig stellen“ will, damit der Rotmilan in Ruhe brüten kann, sogar Wanderer und Radfahrer als Störfaktor betrachtet werden, werden bei uns, wenn alles nach Plan der Netzbetreiber läuft, bald Baufahrzeuge den Wald und die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen verwüsten. So sieht die Wirklichkeit aus. Doch einmal zerstört, wird es Jahrzehnte brauchen, bis sich die Natur, wenn überhaupt, erholen kann.

Wie schonungslos ehrgeizige Projekte im Namen der Energiewende umgesetzt werden, zeigt uns gerade das Beispiel des neuen Windparks bei Freiensteinau, der am Sonntag (21.09.2014) eröffnet werden soll. Laut Medienberichten wurden vom Betreiber der Windräder unrechtmäßig 31.000 m² Wald gerodet. Ein Skandal! Schonungslos wurde hier Natur zerstört, aus Profitgier und wirtschaftlichen Interessen. Bleibt zu hoffen, dass durch die angekündigte Großdemonstration der Anti-Windkraft-Bewegung am Wochenende ein Zeichen gesetzt werden kann. Ursprünglich wollte Energieminister Al-Wazir den Windpark persönlich eröffnen, nach den negativen Entwicklungen der letzten Wochen und dem zu erwartenden Protest der Bevölkerung bleibt er der Veranstaltung vorsorglich fern.

Die Fachplaner der Stromtrasse SuedLink geben sich anscheinend Mühe, die beste Lösung für einen landschaftsschonenden Netzausbau zu finden. Doch was heißt das? Neue Leitungen sollen möglichst dort entstehen, wo es bereits eine „lineare Infrastruktur“ gibt, also andere Leitungen, Autobahnen, Bahnstrecken. Bündelung ist das Zauberwort, zum Schutz der Natur, zur Entlastung der Menschen. Nur Pech, wer gerade in der Nähe eines „Bündelungskorridors“ lebt.

Die Begehrlichkeiten von Politik und Wirtschaft werden immer größer. Im Namen der Energiewende werden Projekte maß- und ziellos vorangetrieben, nicht bedenkend, dass man die Welt nicht retten kann indem man die Natur zerstört.

Bildquelle:  reto.hofer „rotmilan“ / Flickr