Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan

Von Seiten der Bundesnetzagentur wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der Ausbau der Stromübertragungsnetze von zentraler Bedeutung für das Gelingen der Energiewende sei. Die Integration der Erneuerbaren Energien und der Ausstieg aus der Kernenergie, werden in allen Stellungnahmen als Dringlichkeitsgrund für den zügigen Netzausbau aufgeführt.

Da der Ausbau des Stromnetzes als gesamtgesellschaftliche Herausforderung erkannt wird, ist man bestrebt die Bevölkerung zu informieren und an den Verfahren zum Netzausbau und somit an der Gestaltung der Energiewende zu beteiligen. Einschätzungen, Ideen und Hinweise sollen in die abschließende Beurteilung der Netzentwicklungspläne einfließen. Soweit die Theorie. Doch nach den Erfahrungen aus dem „Bürgerdialog“ mit ÜNB TenneT bzw. der Bundesnetzagentur in den vergangenen Wochen und Monaten zum Thema SuedLink muss man uns folgende Frage erlauben:

„Werden unsere Bemühungen zu konstruktiver Mitarbeit ernst genommen, oder betrachtet man die Beteiligung der Öffentlichkeit als Alibihandlung um den politisch vorgegebenen Rahmenbedingungen zum Planungsverfahren gerecht zu werden? Mitreden ja, aber mitbestimmen nein?“

Wir befürworten die Energiewende und sehen diese als einzige Chance für nachfolgende Generationen in einer intakten Umwelt leben zu können. Wir erwarten Entscheidungen, die sich nicht ausschließlich an wirtschaftlichen Interessen orientieren, sondern am Wohle der Menschen, im Sinne von Lebensqualität, Gesundheit, Nachhaltigkeit und dem verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen unseres Landes, sprich dem Schutz von Umwelt und Natur. Mit dem Netzentwicklungsplan werden die Weichen für das zukünftige Stromnetz in Deutschland gestellt.

Die Bundesnetzagentur stellt den aktuellen Netzentwicklungsplan zur Konsultation. Die Stellungnahmen aus der Bevölkerung können den Widerstand gegen die SuedLink-Trasse sichtbar machen und ein deutliches Zeichen gegen den überdimensionierten Netzausbau setzen.

Am 15. Mai 2015 endet die Frist zur Äußerung zum Netzentwicklungsplan 2014 / 2. Entwurf (Zieljahr 2024)

In vielen Gesprächen mit betroffenen Bürgern haben wir feststellen können, dass  die Ängste und Befürchtungen gegenüber der HGÜ-Trasse sehr ähnlich sind. Dies sollte auch bei den anstehenden Entscheidungen der BNetzA zu weiteren Netzausbaumaßnahmen berücksichtigt werden.

Wir haben einige der geäußerten Bedenken in Textbausteinen verarbeitet und stellen diese der Öffenlichkeit gerne als kleine Motivationshilfe für eine persönliche Stellungnahme zur Verfügung.  Beteiligen Sie sich am Konsultationsverfahren, denn SuedLink geht uns alle an! Das Worddokument können Sie jederzeit verändern, bzw. um eigene Argumente ergänzen. Senden Sie Ihren Einspruch per Post oder per Mail an die Bundesnetzagentur und helfen Sie mit, diesen Trassenwahn zu verhindern!

Stellungnahme… ein Klick und Sie sind dabei!

Bundesnetzagentur
Stichwort: Netzentwicklungsplan/Umweltbericht
Postfach 80 01
53105 Bonn

nep2024-ub@bundesnetzagentur.de

Tag der Erneuerbaren Energien

Am 25. April 2015 fand zum 20. Mal der Tag der Erneuerbaren Energien statt. An diesem Tag – der anfänglich zum Gedenken an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ausgerufen wurde – wurde die interessierte Öffentlichkeit bei zahlreichen Infoveranstaltungen über Erneuerbare Energien aufgeklärt.

Deutschland ist bestens gerüstet, das konnte man in den letzten Wochen deutlich erkennen. Weder die Sonnenfinsternis am 20. März, noch Orkan „Niklas“ am Ende desselben Monats, haben das Stromsysthem lahm legen können. Das Netz hat diese extremen Belastungsproben bestanden. Auch der April sorgte durch sonniges und windreiches Wetter für Rekordwerte bei der Einspeisung von erneuerbarem Strom.

Die Agentur für Erneuerbare Energien schreibt:

…Doch auch jenseits extremer Ereignisse erwies sich, dass das Stromsystem mit launischem Wetter gut umgehen kann und genügend Flexibilität bereithält: Am Dienstag den 21. April erreichte die Solarstromproduktion allein einen neuen Rekordwert von 26 GW. Das geht aus Daten des Fraunhofer-Institus für Solare Energiesysteme hervor. Steinkohlekraftwerke reagierten darauf flexibel und reduzierten ihre Leistung von 14 GW in den Morgenstunden auf 8 GW zur Mittagszeit, Gaskraftwerke von 6 auf 4 GW. Die Atomkraftwerke sowie die besonders klimaschädlichen Braunkohlemeiler liefen jedoch quasi ungedrosselt weiter…

Der angestrebte Netzausbau ist den Zugeständnissen an die Kohlewirtschaft geschuldet. Denn Kohlestrom kann immer, parallel zu Erneuerbaren Energien, eingespeist werden – daher das zeitweise Überangebot an Strom und die notwendige Regulierung der Einspeisung, bzw. billiger Verkauf ins Ausland. Es wird immer von den hohen Kosten für Gaskraftwerke gesprochen, aber wer bedenkt die finanziellen Belastungen die durch diese verfehlte Energiepolitik entstehen? Auch der überflüssige Netzausbau verschlingt Milliarden und wird durch die Netzentgelte finanziert werden. Bleibt nach wie vor die Frage nach der Nutzung von freiwerdenden Leitungen, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet sind.

Die neueste Debatte im Bundestag zeigt wieder einmal auf, wie unterschiedlich die Parteien mit dem Thema Energiepolitik umgehen.  Bündnis 90/DIE GRÜNEN enttäuschen durch Ignorieren der Bürgerbedenken und fehlende Diskussionsbereitschaft und verärgern auch langjährige Weggefährten mit ihrer unnachgiebigen und unverständlichen Haltung. Einzig die LINKE scheint zurzeit glaubwürdig den Netzausbau infrage zu stellen. Frau Eva Bullin-Schröter, Energiepolitische Sprecherin der LINKEN mahnt endlich zu mehr Transparenz:

Alles, womit die Bundesregierung argumentiert, ist das Ergebnis einer Modellrechnung, die Geschäftsgeheimnis der Übertragungsnetzbetreiber ist und zweifelhafte Annahmen für die Zukunft zugrunde legt.

Wenn wir mit dem vorliegenden Gesetzentwurf die Bedingungen für die Erdverkabelung lockern und den Netzentwicklungsplan auf einen Zweijahresturnus umstellen, dann lassen Sie uns doch noch mehr beschließen: Sorgen wir dafür, dass die Bevölkerung, wir Abgeordnete und auch die Bundesregierung wissen können, womit der Netzbedarf überhaupt errechnet wird.

Die neuesten Zahlen belegen, dass inzwischen mehr als ein Viertel der Energie in Deutschland durch Wasserkraft, Solar-, Wind- und Bioenergie gewonnen wird. Windanlagen sind die am meisten genutzten Energieträger. Womit wir immer wieder zur gleichen Erkenntnis gelangen: Wir brauchen Speichertechnologien, die es uns ermöglichen bei Bedarf flexibel auf den Strommarkt zu reagieren. Die Entwicklungen auf diesem Sektor schreiten rasch voran und wir wissen, dass in naher Zukunft bezahlbare und umweltfreundliche Speichertechniken zur Verfügung stehen werden.

Der Umweltgedanke sollte immer im Vordergrund stehen, denn einmal zerstörte Natur ist unwiderbringlich verloren und auch durch Renaturierungsmaßnahmen nicht mehr auszugleichen. So können die massiven Eingriffe in den Waldbestand und die notwendigen Abholzungen beim Bau von Windkraftanlagen dazu führen, dass das gesamte bis dahin intakte Waldgefüge zerstört wird. Die immer häufiger auftretenden Stürme finden ungehindert  neue Angriffsflächen und weiteres Waldgebiet ist nahezu schutzlos der Vernichtung preisgegeben. Auch erneuerbare Energien müssen umweltschonend ausgebaut werden. Der WWF warnt vor beschleunigtem Klimawandel, sollte die weltweite  Zerstörung der Wälder aus wirtschaftlichen Gründen weiter anhalten. Dies gilt nicht nur für die großen Regenwaldgebiete, auch für unseren heimischen Wald gestaltet sich die zunehmende industrielle Ausbeutung als Problem.

Wenn jetzt zusätzlich noch Bäume wegen der Gleichstromtrasse SuedLink fallen müssen, dann schwächt dies erneut unser natürliches Wohnumfeld, unseren Erholungsraum Wald. Auch wenn Bedenken immer wieder beiseite gewischt werden, viele Beispiele der Vergangenheit zeigen: Ignoriert man die Warnsignale wird Umweltzerstörung zum Bumerang. Klimakatastrophen mehren sich, Artenreichtum wird vernichtet, Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Eine Buche, wie sie in unseren Wäldern noch häufig vorkommt, braucht 100 Jahre Wachstum. Alles wertlos wegen kurzzeitiger wirtschaftlicher Vorteile?

 

 

 

Naturschutz – Auch im Kiebitzgrund!

Fuldaer Zeitung vom 17.09.2014 – große Überschrift: „Den Sinkflug des Roten beenden“. Auf großem Bild, zufrieden lächelnd, Landrat Bernd Woide mit Zuwendungsbescheid „Artenhilfskonzept Rotmilan in der Rhön“. Nun, es ist immer medienwirksam, sich für solche Projekte einzusetzen und natürlich gibt es nur lobende Worte: „Das Projekt ist grenzüberschreitend und national von Bedeutung“.

Der Rotmilan ist auch im Kiebitzgrund zuhause! Über 900.000,00 €uro sollen in den nächsten Jahren für den Schutz dieses Vogels zur Verfügung gestellt werden. Bei uns? Nein, bei uns wird eine Monster-Stromtrasse geplant. Während man anderorts Waldbereiche „ruhig stellen“ will, damit der Rotmilan in Ruhe brüten kann, sogar Wanderer und Radfahrer als Störfaktor betrachtet werden, werden bei uns, wenn alles nach Plan der Netzbetreiber läuft, bald Baufahrzeuge den Wald und die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen verwüsten. So sieht die Wirklichkeit aus. Doch einmal zerstört, wird es Jahrzehnte brauchen, bis sich die Natur, wenn überhaupt, erholen kann.

Wie schonungslos ehrgeizige Projekte im Namen der Energiewende umgesetzt werden, zeigt uns gerade das Beispiel des neuen Windparks bei Freiensteinau, der am Sonntag (21.09.2014) eröffnet werden soll. Laut Medienberichten wurden vom Betreiber der Windräder unrechtmäßig 31.000 m² Wald gerodet. Ein Skandal! Schonungslos wurde hier Natur zerstört, aus Profitgier und wirtschaftlichen Interessen. Bleibt zu hoffen, dass durch die angekündigte Großdemonstration der Anti-Windkraft-Bewegung am Wochenende ein Zeichen gesetzt werden kann. Ursprünglich wollte Energieminister Al-Wazir den Windpark persönlich eröffnen, nach den negativen Entwicklungen der letzten Wochen und dem zu erwartenden Protest der Bevölkerung bleibt er der Veranstaltung vorsorglich fern.

Die Fachplaner der Stromtrasse SuedLink geben sich anscheinend Mühe, die beste Lösung für einen landschaftsschonenden Netzausbau zu finden. Doch was heißt das? Neue Leitungen sollen möglichst dort entstehen, wo es bereits eine „lineare Infrastruktur“ gibt, also andere Leitungen, Autobahnen, Bahnstrecken. Bündelung ist das Zauberwort, zum Schutz der Natur, zur Entlastung der Menschen. Nur Pech, wer gerade in der Nähe eines „Bündelungskorridors“ lebt.

Die Begehrlichkeiten von Politik und Wirtschaft werden immer größer. Im Namen der Energiewende werden Projekte maß- und ziellos vorangetrieben, nicht bedenkend, dass man die Welt nicht retten kann indem man die Natur zerstört.

Bildquelle:  reto.hofer „rotmilan“ / Flickr